Lehrveranstaltungen Filmwissenschaft / Mediendramaturgie

MA VL. Erzähltheorie und Dramaturgie

Dr. Roman Mauer

Kurzname: VL:ErzählTh
Kursnummer: 05.054.550

Empfohlene Literatur

Aristoteles: Poetik. Übers. u. hrsg, von Manfred Fuhrmann. Bibliographisch erg. Ausgabe. Stuttgart 1994.
Beil, Benjamin: First Person Perspectives Point of View und Figurenzentrierte Erzählformen im Film und im Computerspiel. Berlin 2010.
Birr, Hannah /Maike Reinerth/Jan-Noël Thon (Hrsg.): Probleme filmischen Erzählens. Berlin [u.a.] 2009.
Bordwell, David: Narration in the Fiction Film. London; New York 1985.
Bordwell, David: The Way Hollywood Tells It: Story and Style in Modern Movies. Berkely 2006.
Branigan, Edward: Point of View in the Cinema. New York 1984.
Branigan, Edward: Narrative Comprehension and Film. London; New York 1992.
Brütsch, Matthias: Traumbühne Kino. Der Traum als filmtheoretische Metapher und narratives Motiv. Marburg 2011. [zürcher fflmstudien, 17]
Campbell, Joseph [1948]: Der Heros in tausend Gestalten. Frankfurt a/M 1978.
Currie, Mark: About Time. Fiction, Narrative and the Philosophy of Time. Edinburgh 2007.
Eder, Jens: Die Figur im Film. Grundlagen der Figurenanalyse. Marburg 2008.
Eder, Jens (u.a.) (Hrsg.): Characters in Fictional Worlds: Understanding Imaginary Beings in Literature, Film, and Other Media. Berlin 2010.
Eick, Dennis: Drehbuchtheorien. Eine vergleichende Analyse. Konstanz 2006.
Elsaesser, Thomas: Hollywood heute. Geschichte, Gender und Nation im postklassischen Kino. Berlin 2009.
Freytag, Gustav [1863]: Die Technik des Dramas. 8. Aufl. Leipzig.
Georgi, André: Old School – New School. Kleine Bestandsaufnahme der gegenwärtigen amerikanischen Filmdramaturgie. In: Jochen Brunow (Hrsg.): Scenario. Film- und Drehbuch-Almanach. Berlin 2008.
Genette, Gérard: Fiktion und Diktion. München 1992.
Genette, Gérard [19721983]: Die Erzählung. München 1994.
Genette, Gérard: Palimpseste: Die Literatur auf zweiter Stufe. Frankfurt am Main 1993.
Grob, Norbert: Die Kamera als erzählerische Instanz. Zur Theorie des filmischen Blicks. In: ders.: Zwischen Licht und Schatten. St. Augustin 2002.
Häsner, Bernd: Metalepsen. Zur Genese, Systematik und Funktion transgressiver Erzählweisen. Diss. FU Berlin 2001.
Helbig, Jörg (Hrsg.): „Camera doesn’t lie: Spielarten erzählerischer Unzuverlässigkeit im Film. Trier 2006.
Krützen, Michaela: Dramaturgie des Films. Wie Hollywood erzählt. Frankfurt am Main 2004.
Krützen, Michaela: Dramaturgien des Films. Das etwas andere Hollywood. Frankfurt am Main 2010.
Kuhn, Markus: Filmnarratologie. Ein erzähltheoretisches Analysemodell. Berlin/New York 2011. [narratologia contributions to narrative theory, 26]
Kukkonen, Karin (Hrsg.): Metalepsis in popular culture. Berlin [u.a.] 2011.
Leschke, Rainer / Jochen Venus (Hrsg.): Spielformen im Spielfilm. Zur Medienmorphologie des Kinos nach der Postmoderne. Bielefeld 2007. [medienumbrüche, 22]
Liptay, Fabienne / Yvonne Wolf (Hrsg.): Was stimmt denn jetzt? Unzuverlässiges Erzählen in Literatur und Film. München 2005.
McKee, Robert: Story. Die Prinzipien des Drehbuchsschreibens. Berlin 2000.
Martinez, Matias / Michael Scheffel: Einführung in die Erzähltheorie. 7. Aufl. München 2007.
Powell, Helen: Stop the Clocks! Time and narrative in Cinema. London 2012.
Reicher, Maria E. (Hrsg.): Fiktion, Wahrheit, Wirklichkeit. Philosophische Grundlagen der Literaturtheorie. Paderborn 2006. [kunstphilosophie 8]
Rüffert, Christine / Irmbert Schenk, u.a. (Hrsg.): Zeitsprünge. Wie Filme Geschichte(n) erzählen. Berlin 2004.
Ryan, Marie-Laure (Hrsg.): Narrative as virtual reality: immersion and interactivity in literature and electronic media. Baltimore (u.a.) 2001.
Thompson, Kristin: Storytelling in the New Hollywood: Understanding Classical Narrative Technique. Harvard University Press 1999.
Treber, Karsten: Auf Abwegen. Episodisches Erzählen im Film. St. Augustin 2005.
Tröhler, Margrit: Offene Welten ohne Helden. Plurale Figurenkonstellationen im Film. Marburg 2007.

Inhalt

Wie funktioniert filmisches Erzählen? Eine einfache Frage, die in ein komplexes, aber farbiges Forschungsfeld führt, das Konjunktur hat und mittlerweile eine Reihe ausdifferenzierter Modelle vorweisen kann. In der Beschäftigung mit den Handlungsstrukturen filmischer Werke stellt sich für den Praktiker, insbesondere den Drehbuchautor, die Frage nach der wirkungsvollsten Plotkonstruktion, ihrer Zusammensetzung aus Teilsegmenten, dem zeitlichen Ablauf, der Spannungsentwicklung, der Informationsökonomie, der Figurenkonstellation (u.a). Der Theoretiker hingegen versucht, solche Handlungselemente und ihre Wirkungsprinzipien analytisch zu rekonstruieren und somit systematische Klarheit in die Bauformen des Erzählens zu bringen.

Erzählen wird als Strukturierung der mentalen Prozesse des Zuschauers verstanden, als Wechselbeziehung zwischen Story-, Plot- und Screen-Time nach Kriterien der Ordnung, Dauer und Frequenz, als Diegetisierung und Mise-en-Phase, als Auffächerung eines modalen Geflechts aus Perspektiven, als Kausalverhältnis zwischen Ereignissen und zwischen diegetischen Ebenen, als Entwicklung von Figuren und Figurenkonstellationen und nicht zuletzt als Kulturtechnik, die es vor dem Hintergrund von Welt- und Fiktionstheorien zu begreifen gilt. Dabei stand die Erzähltheorie des Films lange Zeit vor der Herausforderung, ein Begriffsinstrumentarium, das vornehmlich in der Literaturwissenschaft entwickelt wurde, auf das audiovisuelle Medium zu übertragen und anzupassen - ein Prozess, der mittlerweile abgeschlossen und von spezifischen filmnarratologischen Modellen abgelöst wird.

Stimuliert wird die Filmnarratologie seit den 1990er Jahren einerseits durch experimentelle Formen eines Cinema of Narration und New Cinema of Complexity, das Unzuverlässiges Erzählen, Mehrsträngiges Erzählen, Polymodales Erzählen, Gedankenspielfilme, Post-Mortem-Kino, Metalepsen, Multiple Diegesen, paradoxe Fokalisierungen und Zeitverschachtelungen verschiedentlich ausfabuliert, herausgefordert wird sie andererseits durch performative, minimalistische, kontemplative, achronische und atmosphärische Filme, welche narrative Strukturen gezielt auflösen, um neue Erfahrungsräume jenseits der Standards zu öffnen. Die Vorlesung wird unter Rekurs auf einschlägige theoretische Perspektiven Erzählmodelle vorstellen und exemplarisch an Filmen beschreiben.

Voraussetzungen / Organisatorisches

Aus organisatorischen Gründen werden die Zeiten und Räume erst zur zweiten Lehrveranstaltungsanmeldephase veröffentlicht.