Lehrveranstaltungen Filmwissenschaft / Mediendramaturgie

MA S. Genres und Formate: Trans- und Posthumanismus im Science-Fiction-Film

Dr. Roman Mauer

Kurzname: Genres u Formate
Kursnummer: 05.054.575

Inhalt

Wer die aktuellen naturwissenschaftlichen und technologischen Innovationen verfolgt, bermerkt, dass trans- und posthumanistische Phänomene zunehmend in den Fokus rücken. Der Traum von der Überwindung der menschlichen Unzulänglichkeiten durch die Optimierung des Körpers (Human Enhancement) und dem Einsatz Künstlicher Intelligenzen scheint aufgrund neuester Entwicklungen in der Forschung näher zu rücken: in der Gentechnik, Hirnforschung, Robotik, Prothetik, Nanotechnologie, Neurotechnologie, Lebensverlängerung und dem Upload. Gelegentlich wirkt es so, als hätten Wissenschaft und Technik die Visionen des Science-Fiction-Genres überholt. Der Fortschritt löst einerseits Hoffnung und Begeisterung, andererseits Ängste und moralische Zweifel aus. Zugleich verbreiten sich im Alltag Dynamiken der Selbstoptimierung (Lifelogging, Quantified Self, Tracker) und Leitbilder eines perfekten Körpers.

In diesem Seminar werden medientheoretische Körperdiskurse und philosophische Strömungen (Humanismus, Transhumanismus, Posthumanismus) geklärt, die Grundlagen des Science-Fiction-Genres und seiner für das Thema relevanten Topoi, Klassiker sowie Subgenres beleuchtet (z.B. Cyberpunk, Postapokalypse), auch gattungsübergreifend gearbeitet (GHOST IN THE SHELL-Adaptionen), mit Dokumentarfilmen Bezug zur Gegenwart oder zu einer möglichen Zukunft genommen (z.B. PLUG & PRAY, 2010; HOMO SAPIENS, 2016), vor allem aber Science-Fiction-Filme jüngeren Datums analyisiert, aber auch Serien (z.B. REAL HUMANS 2012-14, WESTWORLD, 2016-), die Transhumanoide, Cyborgs, Künstliche Intelligenz bzw. trans- und posthumane Gesellschaften zeigen. Neben dem diskursiven Potential des Science-Fiction-Films, mit dem er Fragen nach Menschenbildern, Identität und Moral verhandelt, interessieren uns seine ästhetischen Visionen als Ergebnis und Spiegel der neuen digitalen Möglichkeiten. Dabei stellt sich vor allem die Frage nach der Rolle der Medien und der Mediatisierung im Zusammenspiel von Körper und Technik.   

Voraussetzungen / Organisatorisches

Aus organisatorischen Gründen werden die Zeiten und Räume erst zur zweiten Lehrveranstaltungsanmeldephase veröffentlicht.

Empfohlene Literatur

Zur Einführung:

  1. Beinsteiner, Andreas / Kohn, Tanja (Hrsg.): Körperphantasien: Technisierung - Optimierung - Transhumanismus. Innsbruck: Innsbruck University Press 2016.
  2. Coenen, Christopher (Hrsg.): Die Debatte über "Human Enhancement" - historische, philosophische und ethische Aspekte der technologischen Verbesserung des Menschen. Bielefeld: transcript, 2010.
  3. Dinello, Daniel: Technophobia! Science Fiction Visions of Posthuman Technology. Austin: University of Texas Press 2005.
  4. Featherstone, Mike (Hrsg.): Cyberspace, cyberbodies, cyberpunk: cultures of technological embodiment. London [u.a.]: Sage, 1995.
  5. Herbrechter, Stefan: Posthumanismus - eine kritische Einführung. Darmstadt: Wiss. Buchgesellschaft 2009.
  6. Jasper, Kristina et al. (Hrsg.): Future Worlds: Science • Fiction • Film. Berlin: Bertz & Fischer 2017. 
  7. Kluge, Sven (Hrsg.): Menschenverbesserung - Transhumanismus. Frankfurt, M.: Lang-Ed. 2014.
  8. Spiegel, Simon: Die Konstitution des Wunderbaren: zu einer Poetik des Science-Fiction-Films. Marburg: Schüren, 2007
  9. Zorn, Raimar St.: Die Zeit des Menschen. Zur Kritik des Posthumanismus. Frankfurt am Main: Suhrkamp 2001.