Lehrveranstaltungen Filmwissenschaft / Mediendramaturgie

S. Film/Moderne/Theorie: Filmische Kindheitsrepräsentationen im Rahmen (bio-)kultureller Narrative

Michael Brodski M.A.

Kurzname: S Film/Moderne/Theor
Kursnummer: 05.054.16_510

Empfohlene Literatur

Brian, Boyd; Carroll, Joseph; Gottschall, Jonathan: Evolution, Literature & Film. A Reader. New York 2010.
Grodal, Torben. Embodied Visions: Evolution, Emotion, Culture and Film. Oxford 2009.

Voraussetzungen / Organisatorisches

Aus organisatorischen Gründen werden die Zeiten und Räume erst zur zweiten Lehrveranstaltungsanmeldephase veröffentlicht.

Inhalt

Primärziel dieses Seminars ist es, durch den Rückgriff auf das interdisziplinäre Forschungsgebiet der Kindheitsforschung (Childhood Studies) unterschiedliche Fragestellungen hinsichtlich der Repräsentation von Kindheit im Film zu erarbeiten. Einen für filmwissenschaftliche Auseinandersetzungen relevanten Ausgangspunkt soll dabei die Betrachtung aus einer dezidiert biokulturellen Perspektive (vgl. Boyd/Carroll/Gottschall 2010, Grodal 2009) darstellen, wonach die Deutung filmischer Strukturmerkmale auf eine bestimmte Weise differenziert werden kann: Demnach lassen diverse als „functional bundles“ (Torben Grodal) bezeichnete narrative sowie ästhetische Versatzstücke Aussagen über angeborene, evolutionspsychologisch bedingte Interessen des Zuschauers zu. Bei davon abzugrenzenden Darstellungsweisen handelt es sich hingegen um kulturelle Überformungen, welche auf spezifische gesellschaftspolitische Kontexte sowie ideologische Dispositionen zurückgeführt werden können. Gerade hinsichtlich medialer Repräsentationsformen von Kindheit kann dieser ausschließlich szientistische wie auch kulturalistische Argumentationen vermeidende Ansatz als filmanalytische Grundlage verwendet werden, um im Rahmen der Childhood Studies sowohl zwischen auf biologisch bedingten Differenzeigenschaften zum Erwachsenen basierenden Darstellungen (vgl. James & Prout 1990, Archard 1993) als auch ideologisch konstruierten Kindheitsbildern, etwa anhand von Unschuld und Nostalgie (vgl. z.B. Kincaid 1998, Ross 2004), unterscheiden zu können. Das filmische Spektrum soll dabei sowohl Kinder- und Familienfilme (etwa Animationsfilme von Disney und Pixar) als auch internationale Kindheitsfilme (beispielsweise DER GEIST DES BINENENSTOCKS (ESP 1973) oder SALAAM BOMBAY! (IND 1988)) beinhalten. Darüber hinaus sollen auch transmediale Exkurse, wie etwa die Darstellung von Kindheit in Musikvideos, unternommen werden.