Lehrveranstaltungen Filmwissenschaft / Mediendramaturgie

HS. Film/Fernsehen/Neue Medien: Affekttheorie im Hinblick auf gegenwärtige Film- und Medienästhetik

Michael Brodski M.A.

Kurzname: HS Film/TV/NeuMedien
Kursnummer: 05.054.16_930

Voraussetzungen / Organisatorisches

Aus organisatorischen Gründen werden die Zeiten und Räume erst zur zweiten Lehrveranstaltungsanmeldephase veröffentlicht.

Inhalt

Dieses Seminar hat sich zum Ziel gesetzt, den grundsätzlich äußerst vielschichtigen Begriff „Affekt“ filmwissenschaftlich in einem weiten und multidiskursiven Spektrum zu untersuchen. Affekttheorie als Beschreibung einer körperlich markierten, prä-kognitiven Form der filmischen Wahrnehmung konnte sich in sehr unterschiedlichen Bereichen der Filmwissenschaft etablieren. Im Rahmen des Seminars soll jedoch bewusst kein eindeutiger methodologischer Rahmen abgesteckt werden. Stattdessen stehen gerade der Vergleich sowie die Gegenüberstellung vermeintlich unterschiedlicher Ansätze im Vordergrund. Dementsprechend soll zunächst eine wahrnehmungs- und kognitionspsychologische Perspektive gewählt werden, um Affekteinwirkung als empirisch nachvollziehbaren, vorbewussten Rezeptionsmodus zu untersuchen. Im Rahmen der kognitiven Filmtheorie kann dabei etwa der „mood-cue“-Ansatz von Greg Smith herangezogen werden, wonach Affekt eher eine diffuse Stimmung als eine eindeutig umrissene Emotion repräsentiert (vgl. Smith 2003). Darüber hinaus sollen auch maßgebliche Ansätze der phänomenologischen Filmtheorie (vgl. Sobchak 2004, Marks 2000) auf ihre Verwendung des Affektbegriffes hin untersucht werden. Des Weiteren erscheinen auch sich auf im Rahmen des „affective turns“ entstandene philosophische Abhandlungen beziehende Ansätze interessant, welche beispielsweise performative (Del Rio 2012) oder narratologische (Mroz 2013) Schwerpunkte in den Vordergrund stellen. Affekt wird dabei als Möglichkeit einer abseits eindeutiger „soziolinguistischer Fixierung“ (Brian Massumi) von Bedeutung situierten Wahrnehmung von Filminformationen betrachtet. In diesem Kontext sollen auch richtungsweisende Vorläufer aus der kontinentalen Philosophie, etwa Tausend Plateaus (1972) von Gilles Deleuze und Félix Guattari herangezogen werden. Konform mit der Intention eines methodologisch möglichst breiten Rahmens soll wiederum auch auf ein ähnlich vielschichtiges Filmspektrum zurückgegriffen werden. So sollen sowohl vermehrt Beispiele des populären Kinos (etwa MAD MAX: FURY ROAD (USA 2015), welcher gerade im Kontext von Steven Shaviros Konzept des „post-continuity“ (2011) interessant erscheint) sowie Beispiele des Art Cinema (einen wichtigen Anlaufpunkt wird dabei unter anderem das Œuvre von Terrence Malick, wie etwa KNIGHT OF CUPS (USA 2015) bilden) herangezogen werden.

Empfohlene Literatur

Sekundärliteratur
Del Rio, Elena: Deleuze and the Cinemas of Performance: Powers of Affection. Edinburgh 2012.

Marks, Laura: The Skin of the Film: Intercultural Cinema, Embodiment, and the Senses. Durham 2000.

Massumi, Brian: Parables for the Virtual: Movement, Affect, Sensation. Durham 2002.

Mroz, Matilda: Temporality and Film Analysis. Edinburgh 2013.

Shaviro, Steven: Post Cineamtic Affect. London 2010.
Smith, Greg: Film Structure and the Emotion System. Cambridge 2003.

Sobchak, Vivvian: Carnal Thoughts: Embodiment and Moving Image Culture. London 2004.