Auslandsjahr im Rahmen des ERASMUS-Programms in Paris

Ein Erfahrungsbericht von Philipp Baumann

Ich habe von September 2015 bis April 2016 zwei Semester lang an der Université Paris III - Sorbonne Nouvelle in Paris studiert und möchte im Folgenden über die Uni, die Wohnungssituation und über die Stadt an sich berichten.

Würde ich einen Auslandsaufenthalt an der Paris III empfehlen?
Definitiv ja. Gerade für mein Studienfach – Filmwissenschaften mit BF Philosophie (wobei die Paris III kein wirkliches Département für Philosophie anbietet und ich nur Kurse im Hauptfach besucht habe) – ist die Universität eine super Adresse. Es gibt dort 1500 Studenten im entsprechenden Département Cinéma & Audiovisuel (CAV) - im Vgl. hat Mainz meines Wissens nach 300 Filmwissenschaftsstudenten. Dementsprechend ist das Kursangebot extrem vielfältig.
Man darf sich prinzipiell für jedes Département anmelden um dann aus diesem Bereich Kurse belegen zu können. Z.B. gibt es einen großen Fachbereich Arts & Média, was auch für Filmwissenschaftler interessant sein könnte. Es ist nur etwas kompliziert, im Vorhinein die Anmeldefristen für alle Départements herauszufinden, man bekommt vor Ort zunächst einmal nur Informationen zum korrespondierenden Département. Bei Interesse empfehle ich, vielleicht schon mal die einzelnen Départements auf der Homepage anzusehen und eventuell die Ansprechpartner in Paris zu kontaktieren, die alle sehr hilfsbereit sind. Im Département CAV darf man als Bachelorstudent alle Module aus L3/L4 (Licence 3 ist das WiSe, L4 das SoSe) und L5/L6 anwählen, aber aus jedem Modul nur einen Kurs besuchen. Für einen einzelnen Kurs vergeben die Franzosen zwischen 2-4 ECTS, also weniger als in Deutschland, obwohl der Arbeitsaufwand höher ist, da man immer zwei Prüfungsformen absolvieren muss. In der Regel Hausarbeit + schriftlichen Test. Ich empfehle, nicht zu viele Kurse (max. 6, eher weniger) zu besuchen, da diese z.T. sehr arbeitsaufwändig sein können und die Hausarbeiten in der Vorlesungszeit fertig gestellt werden müssen. Eher sollte meiner Einschätzung nach eine Anhebung der ECTS mit dem Koordinatoren / der Koordinatorin besprochen werden. In Bezug auf Varianz übertrifft das Pariser Kursangebot wie geschrieben das Mainzer Angebot bei Weitem. Dennoch kann es sein, dass man Pech hat und in Seminare kommt, die eher vorlesungsähnlich ohne Interaktion der Teilnehmer vom Dozenten vorgetragen werden und sehr schnell wie durchgekaute Wikipediaartikel wirken können. Bei konkretem Bedarf, biete ich gerne an, mein Wissen über einige Dozenten zu teilen und vermerke daher meine E-Mail-Adresse am Ende dieses Berichtes. Tendenziell empfehle ich, bei der Kurswahl mehr auf persönliches Interesse als auf den Bachelorverlaufsplan zu achten, da man diese Auswahl später nicht wieder bekommt und auch das sprachliche Verständnis leichter fällt, wenn man motivierter ist. Man kann im Sonderfall auf Anfrage auch als Bachelorstudent Masterkurse besuchen. Die Broschüre für alle Kurse ist auch schon vor Semesterbeginn irgendwo auf der Homepage versteckt, aber echt schwer zu finden.

Da die Kurse alle auf französisch sind, empfehle ich zu Beginn schon ein Niveau, das in etwa B1 entspricht. Ich kenne aber Leute, die mit weitaus weniger Kenntnissen angereist sind und trotzdem gut klargekommen sind.

Noch einiges zur Infrastruktur der Uni
Die Uni liegt im südlichen Teil der Stadt im 5. Arrondissement. Die nächste Metrostation ist Censier-Daubenton, die mit der Linie 7 zu erreichen ist. Auch die Station Saint-Marcel der Linie 5 ist gut zu Fuß erreichbar. Dazu gibt es diverse Buslinien, die ich aber nicht alle genau kenne. Die Uni wirkt eher wie ein großes Schulgebäude, denn wie eine Uni. Die Bibliothek ist viel kleiner als die Mainzer, bei Bedarf am Besten in einer der vielen öffentlichen Bibliotheken in Paris anmelden. Außerdem schließt die Bib immer schon gegen 19 Uhr und ist Sonntags komplett geschlossen. Die Sammlung an filmspezifischer Literatur ist aber mehr als ordentlich und man kann vieles auch problemlos längere Zeit ausleihen. Zu spätes Zurückgeben kostet nichts, sperrt aber das Ausleihrecht für längere Zeit. Kopierkosten sind viel höher als in Mainz und scannen funktioniert nur im Druckladen um die Ecke. Die PCs sind von ihrer Leistung her grausig. Ich empfehle, die Rechner im 5. Stock, die eigentlich für Doktoranden und Masterstudenten reserviert sind, zu verwenden.
Einen Block weiter ist das Restaurant-Universitaire, wo man sich sein durchaus essbares Mittagessen aus mehreren Gerichten zusammenbaut, was immer 3,25€ kostet. Es gibt im Gebäude auch eine Cafeteria und um die Uni herum viele kleine Cafés und Restaurants.
Besonders für Filmwissenschaftler interessant ist das universitäre 16-mm-Film Kino, wo echte Filmrollen mit einem alten Projektor abgespielt werden - leider in z.T. grenzwertiger Qualität. Es gibt zwei Vorstellungen pro Tag und eine Vorstellung kostet 2€, es gibt aber auch Abos. Was die Ausstattung angeht, kann die Uni alles in allem bei Weitem nicht mit der JGU mithalten, mir wurden dadurch die großartigen Ressourcen unserer Uni erst so richtig bewusst.

Wie ich meine Wohnung gefunden habe
Die Pariser Mietpreise sind selbstverständlich viel höher als die Mainzer. Die Wohnungssuche kann sich sehr schwierig gestalten. Ich selbst hatte meine Wohnung in einer Art Studentenwohnheim im 19. Arrondissement, 35 Minuten mit der Metro entfernt. Ich bekam sie über die Paris III, indem ich mich frühzeitig und ohne viel Arbeitsaufwand auf der Homepage der Uni für ein Auswahlverfahren registriert hatte. Im Endeffekt hatte ich ein mit einem anderen Studenten geteiltes Zimmer inkl. Küche + kleinem Bad, also keine wirkliche Privatsphäre – dafür aber zu einem unschlagbaren Preis, der sogar günstiger als in den Wohnheimen in Mainz war. Die Qualität des Wohnheims an sich ließ dafür aber zu wünschen übrig.

In Frankreich hat theoretisch jeder Mieter das Recht auf staatliche Förderung durch die CAF (Caisse Allocation Familliale). Den Antrag auszufüllen ist recht kompliziert und hat zusammen mit meiner Faulheit mich davon abgehalten, das Wohngeld schlussendlich zu beantragen. Ich empfehle trotzdem jedem, sich die Mühe zu machen, denn man bekommt durchaus einen hohen Anteil der Miete zurückgezahlt.

Außerdem hat man in Frankreich die Pflicht, eine Assurance Habitation abzuschließen. Diese kostet nur ein paar Euro pro Monat und kann bei jeder Bank abgeschlossen werden, aber diese Informationen bekommt man wahrscheinlich ohnehin nochmals vom Vermieter.

Die Stadt Paris
Was soll man dazu sagen? Paris ist eine geniale Stadt, vor allem für Fiwis. Man sagt es gibt in Paris drei Dinge an jeder Ecke: Boulangeries, Pharmacies und Cinémas. Nur 10 Minuten zu Fuß von der Uni entfernt hat im November letzten Jahres mein absolutes Lieblingskino eröffnet: Les Fauvettes. Dort laufen ausschließlich hochwertig restaurierte Wiederaufführungen in ganz neuen Kinosälen. Insidertipp: Im großen Multiplex François Mitterand der Kinokette MK2 direkt an der gleichnamigen Nationalbibliothek Frankreichs kommt man in jeden Film als unter 26 jähriger schon für 4,90€. Eventuell empfehlenswert wäre sogar ein Jahrespass fürs Kino, wobei man da zwischen den Ketten UGC und Gaumont entscheiden müsste. Unter 26 kommt man übrigens auch umsonst in alle staatlichen Museen, oder z.B. auf den Arc de Triomphe.

Auch wichtig wäre vielleicht, so früh wie möglich den Imagine R - den Studenten-Metropass - zu beantragen, denn damit spart man ca. 40€ pro Monat.

Ansonsten ist Paris wie geschrieben eine tolle Stadt mit tollen Sehenswürdigkeiten, Museen, Parks, Bars, Cafés, Menschen, usw.. Ich möchte da auch gar nicht viel zu erzählen, außer dass ich allen, die die Möglichkeit haben, dort zu studieren, gratulieren und viel Freude am Entdecken der Stadt wünschen möchte.

Vielleicht doch noch eine Kleinigkeit zum Abschluss. Wenn der Leser / die Leserin dieses Berichtes noch unschlüssig ist, ob er / sie ein oder zwei Semester lang bleiben möchte, kann ich nur meiner Erfahrung nach ganz klar empfehlen, eher zwei Semester zu machen, denn ein Semester ist nach nur 3 Monaten schon um und die gehen vielleicht zu schnell vorbei.

Geschrieben am 20.09.2016 von Philipp Baumann

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