ERASMUS+ in Valencia (Audiovisuelle Kommunikation) im WiSe 2015/2016 und SoSe 2016

Vorbereitung

Die Entscheidung für ein Jahr nach Valencia zu gehen wurde sehr spontan getroffen (ein Tag vor Schließung des Bewerbungsverfahrens), was jedoch keine Probleme verursachte, da die Vorbereitung recht überschaubar ist. Vieles, wie die Kurse der Gasthochschule, kann man im Internet überprüfen und regeln.  Bei anderen Dingen hilft einem der Erasmus Koordinator.  Ich kann jedem empfehlen, zuvor die Sprache noch einmal im Sprachkurs aufzufrischen, auch wenn man das erforderliche Niveau schon in der Schule erreicht hatte.  Um den Sprachkurs im Ausland wiederum muss man sich nicht vorher schon kümmern; da reicht es aus, anfangs des Semesters in das „Centro De Idiomas“ der Universität Valencia zu gehen und sich dort einstufen zu lassen.

Die Anreise mit dem Flugzeug ist sehr entspannt, mit der Metro kann man direkt vom Flughafen schnell in das Stadtinnere gelangen. Die Metrokarte kann man aufbewahren und immer wieder neu aufladen – spart das kleine Pfand und ist umweltfreundlicher.

 

Unterkunft

Bei der Wohnungssuche hatte ich viel Glück, da ich direkt über einen Freund an ein gutes Zimmer geraten bin. Allerdings habe ich auch Freunden bei der WG Suche geholfen und festgestellt, dass das in Valencia überhaupt kein Problem ist. Man muss sich da nicht vorher über das Internet kümmern, sondern kann direkt vor Ort schauen – das Angebot ist höher als die Nachfrage. Dennoch sollte man, wenn man anspruchvoll ist, natürlich einige Wochen vor Beginn des Semesters anreisen. Dies kann ich allerdings so oder so empfehlen, so bekommt man bereits eine Idee vom spanischen Leben, bevor man zur Uni muss.

Valencia hat sehr verschiedene Viertel, daher ist sicher für jeden was dabei. Möchte man umgeben von schöner, idyllischer Architektur leben, kommt mit den Touristenströmen klar und ist bereit, auch mal ein wenig mehr in den Bars auszugeben, ist die Altstadt, z.B. „El Carmen“, zu empfehlen.  Die Gegend um den „Blasco Ibañez“ wiederum ist für Studenten, die in einem absoluten Studenten- und Erasmusviertel leben wollen – eine Masse an günstigen, lebhaften Bars befindet sich dort, vor allem um den Plaza del Cedro. „El Cabañal“ ist ebenfalls günstig und direkt am Strand, allerdings viel weniger Bars und Studenten; zudem gilt es als gefährlichstes Pflaster der Stadt, mit viel Armut und Kriminalität. Ich kannte aber einige, die sich dort sehr wohl gefühlt haben und den speziellen Charme des Viertels zu schätzen gewusst haben. „Ruzafa“ hat kulinarisch sehr viel zu bieten und ist eine Verbindung zwischen Studentenleben und der spanischen Mittelschicht. Eine Tapasbar reiht sich an die nächste, zudem ist es nah der Innenstadt und von einer hübschen Architektur geprägt. Zuletzt möchte ich noch „Benimaclet“ anführen, ein Viertel recht weit weg vom Zentrum, das allerdings für sich genommen schon sehr viel Kulturelles zu bieten hat.

 

Studium

Was die Uni anging, brauchte ich vor allem starke Nerven bei den organisatorischen Dingen, die am Anfang auf einen zukommen. Man wird zwar recht gut an die Hand genommen, allerdings von verschiedensten Händen, die alle in unterschiedliche Richtungen führen wollen. Es kam nicht nur einmal vor, dass ich von einem Uni-Gebäude zum nächsten geschickt wurde (die teilweise weit auseinander liegen können), um eine Unterschrift zu erhalten, nur um am Ende doch wieder im ersten Gebäude zu landen, da die Befugnisse den Spaniern oftmals selbst nicht bewusst sind. Es gab allerdings wohl zu meiner Zeit einige Neuerungen, kann sein, dass es sich mittlerweile eingespielt hat.

Das Studium selbst war trotz der fremden Sprache gut zu meistern, ich hatte zum einen viele praktisch veranlagte Kurse, zum anderen leisteten die Mitstudierenden größtenteils Übersetzungshilfe. Oft wird auch von den Dozenten Rücksicht auf Erasmusstudenten genommen.

 

Alltag/Freizeit

Valencia ist nicht nur eine wunderschöne Stadt samt Strand und tollen Parks, sondern hat auch das Wetter, um dies bestmöglich ausnutzen zu können.  Dazu empfehlen sich auch die Valenbisi, Stadtfahrräder, die man für knappe 30 Euro im Jahr kostenlos nutzen kann.

Valencia hat eine Unmenge an kulturellem Angebot. Wenn man, wie ich, fast nur zu Fuß oder mit dem Rad unterwegs ist, stößt man zwangsläufig auf Volksfeste, Life-Musik, Feuerwerke oder andere Evente, ohne sich groß informieren zu müssen.  Sich treiben zu lassen gehört zum Lebensgefühl der Valencianer und funktioniert dort sehr gut. Neben großen Festen wie den Fallas, die ich jedem empfehlen würde, gibt es auch kleine kulturelle Leckerbissen, die einem angeboten werden. Ich genoss es beispielsweise sehr, jeden Montag in eine kleine Bar zum Jazz-Konzert zu gehen („La Vitti“). Falls man feiern gehen möchte, ist der Club „Umbracle + Mya“ sehr zu empfehlen, direkt in der futuristischen „Ciudad de las Artes y Sciencias“, die tagsüber auch für Museen zu empfehlen ist.

Um Anfangs etwas Fuß zu fassen, „Gleichgesinnte“ kennen zu lernen und auch schon mal die nähere Umgebung Valencias zu erkunden, lege ich jedem ans Herz, die Angebote von „Happy Erasmus“ zu nutzen, die oftmals günstige Tagestrips anbieten.

 

Fazit

Ich hatte das große Glück, zwei Semester in Valencia erleben zu dürfen, die sich stark von einander unterschieden haben. Das erste Semester war ganz im Zeichen des Erasmuslebens: Das Kennenlernen verschiedenster Nationen, interessante Diskussionen mit Italienern,  Franzosen, Südamerikanern in verschiedensten Bars und mehr prägten die ersten Monate. Mit den fortschreitenden Sprachkenntnissen richtete ich meinen Fokus letztlich mehr und mehr auf die spanische Kultur, versuchte sie nicht nur zu verstehen, sondern ein Teil von ihr zu werden. Dies war nicht immer mit Erfolg beschieden, teilweise habe ich mich so deutsch gefühlt, wie nie zuvor in meinem Leben. Dies hat letztlich aber dazu geführt, dass ich in diesem Jahr zwei Länder lieben gelernt habe: Spanien und Deutschland. Und damit selbstverständlich den europäischen Gedanken, der einen solch intensiven Austausch dank des Erasmusprogramms möglich gemacht hat. Die internationalen Kontakte, die ich in diesem Jahr gemacht habe, werde ich hoffentlich mein Leben lang pflegen können.