Lehrveranstaltungen

MA VL Theatergeschichte - Theaterformen des 18. Jahrhunderts

Univ.-Prof. Dr. Friedemann Kreuder

Kurzname: VL Theatergeschichte
Kursnummer: 05.155.560

Inhalt

Die Vorlesung entfaltet die theaterhistorische „Linie“ künstlerisch ausdifferenzierten, nicht disziplinierten, nicht normierten Theaters im Paradigma der Commedia dell’Arte - von der Comédie Italienne über das Théâtre de la Foire bis hin zum Teatro dell’Arte Joseph Felix von Kurz’ einerseits und von den Englischen Komödianten über die deutschen Wandertruppen bis hin zu den Haupt- und Staatsaktionen Stranitzkis andererseits - in Interdependenz mit der Theatertradition der Privilegierung des Literarischen und der Normierung/Disziplinierung von Theater im 18. Jahrhundert in Form der bürgerlich-aufklärerischen illusionistischen Theater-Konzeption, Einheits-Dramaturgie und Schauspieltechnik (Lillo, Garrick; Gottsched/Neuberin; Diderot, Lessing/Ekhof; Goethe, Schiller; Schröder). In der heuristischen Optik von Theatralitätsgefügen (Münz) werden zunächst diejenigen Vertreter bürgerlicher Ideologie ins Auge gefasst, die mit dem Glauben an die Natur als Normdispositiv und der Vision eines vernunftbetonten, nicht von sinnlichen Faktoren bestimmten Zusammenlebens der Menschen diese Grundbedingung negieren und dadurch zwangsläufig mit der Selbst-Inszenierung des einzelnen in der Form von Sittenlehren beschäftigt sind (z.B. Knigge). Diese Personengruppe wird anschließend in Beziehung gesetzt zu jener, welche Schauspielkunst professionell und zum Zweck der Vergesellschaftung jenes Persönlichkeits- und Verhaltensideals ausübte, das die erstere intellektuelle Gruppierung aus der bürgerlichen Schicht propagierte (z.B. der Ackermannschen Truppe in Zürich 1758). Ferner ist zu zeigen, wie die Inszenierung von Vraisemblance in bürgerlicher Lebenswelt und Kunst (beispielsweise im autobiographischen Schreiben der Schauspielerin Karoline Schulze-Kummerfeld) von verschiedenen Opponenten herausgefordert wird. Hierzu zählen zum einen diejenigen Theaterkünstler, welche die Theaterhaftigkeit des bürgerlichen Lebens, seine Alltags-Maskerade durch den spielerisch-reflexiven Einsatz von (Ganzkörper-)Masken ent-larvten, wobei das Bestehen einer festen, statischen „Kernidentität“ des Menschen in der bürgerlichen Gesellschaft mit theatralen Mittel hinterfragt wurde (Joseph Felix von Kurz, Teresina Morelli, Théâtre de la Foire). Zum anderen sind hier solche anti-bürgerlichen Haltungen von Interesse, welche die Theaterhaftigkeit von Lebenshaltung und Kunstausübung dieser ökonomisch dominierenden Schicht als Ausdruck einer überkommenen Lebensform ganz abschaffen wollten (Konzeption des „National-Bürgertheaters“ der Mainzer Jakobiner, bei dem ein solches Plädoyer für Nicht-Theater interessanterweise mit dem neuen künstlerischen Konzept einer „Authentizitätsdarstellung“ als Ausdruck einer revolutionierten Gesellschaft zusammenfällt).

Termine:

WochentagDatumUhrzeitOrt
Mittwoch19.04.201710.15 - 11.45 Uhr 00 181 P5, 1141 - Philosophisches Seminargebäude
Mittwoch26.04.201710.15 - 11.45 Uhr 00 181 P5, 1141 - Philosophisches Seminargebäude
Mittwoch03.05.201710.15 - 11.45 Uhr 00 181 P5, 1141 - Philosophisches Seminargebäude
Mittwoch10.05.201710.15 - 11.45 Uhr 00 181 P5, 1141 - Philosophisches Seminargebäude
Mittwoch17.05.201710.15 - 11.45 Uhr 00 181 P5, 1141 - Philosophisches Seminargebäude
Mittwoch24.05.201710.15 - 11.45 Uhr 00 181 P5, 1141 - Philosophisches Seminargebäude
Mittwoch31.05.201710.15 - 11.45 Uhr 00 181 P5, 1141 - Philosophisches Seminargebäude
Mittwoch07.06.201710.15 - 11.45 Uhr 00 181 P5, 1141 - Philosophisches Seminargebäude
Mittwoch14.06.201710.15 - 11.45 Uhr 00 181 P5, 1141 - Philosophisches Seminargebäude
Mittwoch21.06.201710.15 - 11.45 Uhr 00 181 P5, 1141 - Philosophisches Seminargebäude
Mittwoch28.06.201710.15 - 11.45 Uhr 00 181 P5, 1141 - Philosophisches Seminargebäude
Mittwoch05.07.201710.15 - 11.45 Uhr 00 181 P5, 1141 - Philosophisches Seminargebäude
Mittwoch12.07.201710.15 - 11.45 Uhr 00 181 P5, 1141 - Philosophisches Seminargebäude