Lehrveranstaltungen

S. Theorie und Ästhetik - My Body is me? – Nacktheit im Theater zwischen Selbstreferenz und Adamskostüm

Dominic Zerhoch M.A.

Kurzname: S Theorie
Kursnummer: 05.155.16_530

Inhalt

Spätestens seit den 1960er Jahren und dem Aufkommen der Performance-Kunst ist der unbekleidete, nackte Körper im Theater offenbar nicht zu einer bloßen Modeerscheinung geworden, die die 68er Generation hervorgebracht hat -Er ist bis heute ein fester Bestandteil zeitgenössischer Theaterformen und scheint in den Theaterdiskurs als besonderes Merkmal zeitgenössischen Theaters eingegangen zu sein. Doch Nacktheit ist nicht gleich Nacktheit. In den verschiedenen theatralen-performativen ‚Genres‘, von der Performance-Kunst, über den zeitgenössischen Tanz bis hin zum (klassischen) Schauspiel und der Oper, lassen sich Tendenzen erkennen, die unterschiedliche Verhältnisse von Akteuren zu ihren Körpern und den Körpern zum ‚Genre‘ definieren.

„Seit den 1960er Jahren wurde das Spannungsverhältnis zwischen ‚Leib-Sein‘, also dem phänomenalen Leib und ‚Körper-Haben‘, dem semiotischen Körper immer wieder neu verhandelt und praktisch untersucht.“(Fischer-Lichte, Ästhetik des Performativen, S.139). An diesen ‚Körper-Leib-Diskurs‘ schließen sich eine Reihe von Fragen an: Ist der nackte Körper im theatralen Rahmen immer als phänomenaler Leib wahrnehmbar und wird demnach in einen performativen Kontext gestellt womit er sich jeder Bedeutung außerhalb seines Selbst verschließt? Ist dadurch ein semiotischer Verweis durch den Körper überhaupt noch möglich oder ist er stets „authentisch“, das heißt agiert er aus sich heraus und nicht stellvertretend für eine andere Figur? Gibt es eigentlich so etwas wie ein „Adamskostüm“ hinter dem Akteure im Schauspiel oder der Oper verschwinden können, um eine andere Figur zum Vorschein zu bringen?Anhand unterschiedlicher (zeitgenössischer) Beispiele aus dem Bereich Schauspiel, Tanz, Performance und Oper soll der nackte Körper im theatralen Rahmen diskutiert und kontextualisiert werden. Das Seminar hat das Ziel Begrifflichkeiten wie „Körperlichkeit“ und „Leibhaftigkeit“ genauer zu definieren und sie in ein Verhältnis zu den einzelnen ‚Genres‘ zu setzen. Daneben soll auch die besondere Stellung des Theaters als Institution näher beleuchtet werden, die Nacktheit in einem semi-öffentlichen Raum überhaupt erst ermöglicht.

Empfohlene Literatur

Literatur (Auswahl):

Dreher, Thomas (2001): Performance Art nach 1945: Aktionstheater und Intermedia. Fink, München.

Fischer –Lichte (2004): Ästhetik des Performativen. Frankfurt a.M., Suhrkamp.

Foucault, Michel (1992): Andere Räume. In: Barck Karlheinz u.a. (Hg.): Aisthesis. Wahrnehmung heute oder Perspektiven einer anderen Ästhetik. Leipzip, S.34 -46.

Kamper, Dietmar (2010): Körper. In: Barck, Karlheinz (Hg.): Ästhetische Grundbegriffe., Bd 3. J.B. Metzler, Stuttgart, S. 426 -  447.

Kirby, Michael (1987): A formalist theatre. Philadelphia.

Lehmann, Hans- Thies (2011): Postdramatisches Theater. 5. Aufl., Frankfurt a.M.

Merleau-Ponty, Maurice (1964) : Le visible et l’invisible. Suivi de Notes de travail. Gallimard, Paris

Traub, Ulrike (2010):Theater der Nacktheit. Zum Bedeutungswandel entblößter Körper auf der Bühne seit 1900. Transcript, Bielefeld.

 

Beispiele (Auswahl):

 

Antes (2015). Choreographie: Guiherme Bothelo, Compagnie Alias, Schweiz.

 

Richard III. von William Shakespeare (2015) Regie: Thomas Ostermeier, Schaubühne Berlin.

 SunBengSiitting (2014). Performance von Simon Mayer, Freischwimmer Festival 2014/15 Österreich, Deutschland.

Termine:

WochentagDatumUhrzeitOrt
Freitag28.04.201712.15 - 13.45 Uhr 01 461 P108, 1141 - Philosophisches Seminargebäude
Freitag05.05.201712.15 - 13.45 Uhr 01 461 P108, 1141 - Philosophisches Seminargebäude
Freitag12.05.201712.15 - 13.45 Uhr 01 461 P108, 1141 - Philosophisches Seminargebäude
Freitag19.05.201712.15 - 13.45 Uhr 01 461 P108, 1141 - Philosophisches Seminargebäude
Freitag26.05.201712.15 - 13.45 Uhr 01 461 P108, 1141 - Philosophisches Seminargebäude
Freitag02.06.201712.15 - 13.45 Uhr 01 461 P108, 1141 - Philosophisches Seminargebäude
Freitag09.06.201712.15 - 13.45 Uhr 01 461 P108, 1141 - Philosophisches Seminargebäude
Freitag16.06.201712.15 - 13.45 Uhr 01 461 P108, 1141 - Philosophisches Seminargebäude
Freitag23.06.201712.15 - 13.45 Uhr 02 511 Seminarraum, 1137 - Georg-Forster-Gebäude (Sowi)
Freitag30.06.201712.15 - 13.45 Uhr 02 511 Seminarraum, 1137 - Georg-Forster-Gebäude (Sowi)
Freitag07.07.201712.15 - 13.45 Uhr 02 511 Seminarraum, 1137 - Georg-Forster-Gebäude (Sowi)
Freitag14.07.201712.15 - 13.45 Uhr 02 511 Seminarraum, 1137 - Georg-Forster-Gebäude (Sowi)