Lehrveranstaltungen

Ü. Aspekte des Performativen - Viele sein – Formen des Chores im Theater der Gegenwart

Benjamin Hoesch M.A.

Kurzname: Ü Aspekte Performat
Kursnummer: 05.155.16_830

Voraussetzungen / Organisatorisches

Falls Sie die Ü. Intermedial und interkulturelle Perspektiven der Theaterpraxis (Beifach-Modul 06) im selben Semester besuchen wie die Ü. Aspekte des Performativen (Beifach-Modul 04) kommt es zu Problemen bei der Anmeldung in JOGU-StINe. Bitte kommen Sie in diesem Fall während der Lehrveranstaltungsanmeldephasen in die Sprechstunde Ihrer Lehrveranstaltungsmanagerin.

Danke.

Inhalt

Wir sind es gewohnt, Theater wie sozialen Alltag als linearen Handlungsverlauf zwischen Individuen zu denken. Dabei gilt als Ursprung des Theaters in der griechischen Antike der Wechselgesang zwischen Vorsänger und Chor, aus dem sich dann erst einzelne Darsteller als dramatische Personen lösten. Der Chor entsprach hier der Gemeinschaftslogik der Polis, deren räumliche Verlängerung in das Theater er war (Rolande Barthes). Doch auch heute kennen wir die Situation, unter vielen zu sein – in der wir uns mal geschützt oder bestärkt, mal ausgeliefert fühlen: in der Vorlesung, im Stadion, auf dem Arbeitsmarkt. Entsprechend haben sich chorische kulturelle Praktiken in immer wieder neuer Gestalt erhalten, vom Gesangsverein bis zum Flashmob. Nicht zuletzt sind Formen des Chores aus dem Repertoire der Mittel im Gegenwartstheater kaum wegzudenken, seit sie prominent etwa von Volker Lösch (Die Weber, 2004) als „kollektives Bewusstsein“ eingesetzt oder von Rimini Protokoll (100 % -Projekte, seit 2008) zur Befragung demokratischer Repräsentation weiterentwickelt wurden. Legendär ist das Chortheater Einar Schleefs, der sowohl die verausgabende Disziplinierung von Individuen zum Unisono des Kollektivs (Ein Sportstück, 1998) als auch die rauschhafte De-subjektivierung in der vielstimmigen „Meute“ (Mütter, 1986) in Szene setzte; gegen die zeitgenössischen Ideologien von Individualismus einerseits und Konformismus andererseits setzte Schleef die paradoxe These, dass „Singularität nur im Chor möglich“ sei.
Ausgehend von diesen und anderen Beispielen will der Workshop durch die eigene Erfahrung in szenischen Übungen der faszinierend schillernden Form des Chores nachgehen. Inwieweit wirkt es befreiend, in einem Chor aufzugehen, wann wird es entmündigend? Vervielfältigt sich die einzelne Stimme im chorischen Sprechen oder wird sie dabei ausgelöscht? Nach welchen unbewussten oder strategisch gesetzten Chor-eografien bewegen sich Gruppen? Entwickelt sich eine kollektive Eigendynamik oder bremst die Massenträgheit das individuelle Engagement aus?
Die TeilnehmerInnen sind eingeladen, für die Workshopdauer Teil eines Chores zu werden, aus diesem aber auch jederzeit mit eigenen Ideen herauszutreten. Spezielle Vorkenntnisse sind nicht erforderlich, musikalische oder choreographische Fähigkeiten können aber auch gerne eingebracht werden. Die szenischen Entwürfe sollen am Ende zu einer kleinen internen Präsentation führen.

Termine:

WochentagDatumUhrzeitOrt
Samstag17.06.201710.00 - 18.00 Uhr 01 611 Seminarraum, 1137 - Georg-Forster-Gebäude (Sowi)
Sonntag18.06.201710.00 - 18.00 Uhr 01 611 Seminarraum, 1137 - Georg-Forster-Gebäude (Sowi)