Lehrveranstaltungen

MA S. Theater- und Medienkultur - Disability Aesthetics

Jun.-Prof. Dr. Benjamin Wihstutz

Kurzname: S:Th-u Medienkultur
Kursnummer: 05.155.650

Inhalt

Stärker als die Bildenden Künste basieren die sogenannten ‚performativen Künste‘ noch immer auf einem Paradigma des Könnens und dem Zurschaustellen von (körperlicher) Leistung (performance = engl. Aufführung, Leistung, Darbietung, Erfolg); jede Schauspiel- oder Tanzausbildung zielt auf das Erlernen ‚handwerklicher‘ Fähigkeiten, die von normierten Körperbildern ausgehen. Geistig- oder körperbehinderte Schauspieler_innen und Tänzer_innen stellen diese Prinzipien und Normen des Könnens infrage und prägen oftmals eine andere Ästhetik und Virtuosität jenseits der Perfektion.
Ausgehend von Beispielen aus dem Gegenwartstheater von Christoph Schlingensief bis Jérôme Bel und im Rückgriff auf die Geschichte der Freak-Show sowie auf Filme wie Todd Brownings Freaks (1932) begibt sich das Blockseminar auf die Suche nach einer „Disability Aesthetics“ in Theater und Medienkultur.
Wie lässt sich die aktuelle Popularität von behinderten Darsteller_innen in Theater und Medien (etwa in der Werbung) erklären? Inwiefern müssen traditionelle ästhetische Begriffe und Konzeptionen wie Schönheit, Anmut oder Virtuosität revidiert werden, wenn behinderte Akteure auftreten? Ist Theater mit behinderten Schauspieler_innen subversiv? Welche ethischen und politischen Aspekte spielen für eine Disability Aesthetics eine Rolle? Wann wird eine Aufführung zur Freak Show?
Anhand der Lektüre von Texten aus der Theater- Tanz- und Medienwissenschaft, den Disability Studies sowie der ästhetischen Theorie sollen diese und andere Fragen diskutiert werden. Während Tobin Siebers unter „Disability Aesthetics“ eine Ästhetik versteht, die nicht allein von behinderten Künstler_innen ausgeht, sondern „Disability“ als „broken beauty“ im Zentrum moderner Kunst verortet (etwa in den Portraits von Modigliani und Picasso oder den Performances von Chris Burden und Paul McCarthy), versucht das Seminar über diesen Zugang hinaus spezifische ästhetische Qualitäten der Verbindung von Performance und Disability, von Theater und Behinderung aufzuspüren.

Voraussetzungen / Organisatorisches

Für die Lektüre der Texte sind sehr gute Englischkenntnisse erforderlich.